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Autor: Anne Tausch

Im Gästehaus brennt Licht. Eine Ode an die Wirtschaft.






Über Gastfreundschaft als das älteste Wirtschaftsprinzip der Welt — und warum es unter jedem System funktioniert.

Meine Großmutter wurde gerade elf, als sie mit ihrer Familie 1946 aus Ungarn vertrieben wurde. Ihr Vater in russischer Kriegsgefangenschaft, reist die Familie mit nichts als dem, was sie tragen konnten. Sie kamen als Fremde nach Deutschland. Als Belastung, als drei Münder mehr, die jemand ernähren musste. Auf einem Bauernhof in Süddeutschland bewohnten sie zu dritt ein Zimmer. Der Vater kam drei Jahre später nach. Er fand seinen Platz oberhalb im Stall. Meine Großmutter erinnerte sich bis zum Lebensende an dieses Gefühl, aufgenommen zu werden. An das Zimmer und das Licht, das brannte, wenn es draußen schon dunkel war. Das Wertvollste, was meine Großeltern uns mitgegeben hat, war nicht Kapital. Es war eine Haltung: „Wenn jemand zu Gast ist, sorgst du dich gut um ihn.“ Und so zieht sich ein Muster durch mein Leben: Auf all meinen Reisen, erfahre ich Gastfreundschaft. Und ich gebe sie , wo ich kann.

Thomas Edison wusste vielleicht nicht, was er mit seiner Glühbirne wirklich erfunden hat. Die Atmosphäre in Gasthäusern, Restaurants und privaten Räumen wurde einladender, was die soziale Interaktion und das Konzept der Gastfreundschaft völlig neu definierte.

Wirtschaft bedeutet im Ursprung: das eigene Haus gut führen. Das griechische „Oikonomia“ — Haushalt, Ordnung, Fürsorge. Nicht Wachstum. Nicht Rendite. Sondern: Wie leben wir gut zusammen in diesem Haus?

Heute ist dieses Haus global. Und wir haben verlernt, es zu beleben.

Wir reden über Märkte und vergessen die Menschen darin. Wir reden über Ressourcen und vergessen das Leben, das sie ermöglichen. Wir haben den Kreislauf des Gebens und Nehmens unterbrochen und hängen im Nehmen fest. Das ist keine Anklage an ein System, sondern eine Beobachtung von kollektiver Erschöpfung.

Der US-Komiker Walter Masterson bringt es auf den Punkt: „Die Mächtigen wollen, dass wir einen Kulturkampf führen — keinen Klassenkampf.“ Ablenkung durch Feindbilder, durch Empörungswellen — während ein Bruchteil der Weltbevölkerung ein Vielfaches dessen besitzt, was die untere Hälfte zusammen trägt. Das ist Entkopplung & Distanzierung. 

Nicht das System ist die eigentliche Frage. Der Geist, in dem wir es leben, ist sie. Das klingt nach vereinfachter Verharmlosung, soll jedoch mein Versuch sein, eine so komplexe Angelegheit wie die Weltwirtschaft — die uns Menschen alle betrifft — auf ein Verständnis zu bringen, um eine neue Perspektive zu erlangen. Ich war lange wütend auf dieses System — auf die Ungleichheit, die Gier, die Entkopplung von echten menschlichen Bedürfnissen und Existenzfragen das es aufwirft. Aber Wut und Angst ohne Richtung ist nur Lärm. Und ich bin Gestalterin. Ich glaube an die Kraft von Haltung, von Narrativ, von dem, was wir bewusst kultivieren können.

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Wie uns der Name gefunden hat und eine südafrikanische Blume zur Symbolträgerin wird.

Wir leben in einer Zeit imaginärer Zukünfte. Plural. Nicht die eine große Erzählung, sondern viele parallele Möglichkeiten, und die Frage: welche davon wollen wir gestalten? 

Wie schon den Club of Rome treibt uns die Sorge um die Menschheit um. Menschsein ist eine Art Superkraft und wird wie nie zuvor auf den Prüfstand gestellt. Der einst so gute Ruf von Begriffen wie Vertrauen, Wahrheit, Veränderung oder Aufbruchstimmung ist zerrüttet. Erschöpfung zieht sich durch ganze Branchen. Und dass endloses Wachstum ohne Regeneration, Rückführung und ein Bewusstsein für Grenzen und Endlichkeit zerstörerisch ist.

In diesem Spannungsfeld arbeiten wir Designer heute. Das Dasein als Dekorateure, Werbebooster oder Feuerwehr für überfällige Rebrandings mit unmoralischen Deadlines liegt hinter uns. Wir wissen heute: Alles hängt zusammen und systemisches Denken ist eine Kernqualität geworden. Das Bewusstsein von Einheit und Gestaltung führt nicht an Haltung vorbei. Und Haltung verändert Systeme. 

Dominik: gefestigt durch strategische Klarheit, Markendenken und Workshop-Expertise. Immer mit der richtigen Prise unbequeme Fragen und der Fertigkeit, Komplexitätsreduzierung mit Ausführungs-Power zu kombinieren. 

Visuelle Kommunikation, Kommunikation im Raum, Transformationsdesign: Anne hat gelernt, Räume zu gestalten, in denen Menschen sich öffnen. In denen Präsenz entsteht, Identität erlebt und geprägt wird. 

Unabhängig voneinander haben wir uns dieselben großen Fragen gestellt und Ideen ausgetauscht. Futures & Roots ist aus Erfahrungen, Projekten und inspirierenden Begegnungen gewachsen. 

Foto: Christof Henninger

Eine Reise nach Südafrika erweckte das Bewusstsein für unsere Wurzeln und den Wandel durch Bewusstheit. Ein Kontinent, der als Ursprungsort des Menschen gilt. Dort begegnet Anne die faszinierende Nationalpflanze Südafrikas – Protea. Eine Pflanze, die seit Millionen Jahren existiert, auf kargen Böden gedeiht und ihren Namen dem griechischen Wassergott Proteus verdankt. Symbolisch teilen sich beide die Macht der Transformation und den Umgang mit ständiger Veränderung.

Damit ist der Grundstein unserer Identität gelegt. Futures: Wer wollen wir sein? Roots: Was trägt uns? Und dazwischen das “and“: der vielgestaltige Weg und Möglichkeitsraum. Die Zukunft ist wie ein Echo aus der Vergangenheit, das wir im Hier und Jetzt hinausposaunen. Als Designer wollen wir mit Techniken wie Visualisierung, Prototyping, spekulativem Design oder Otto Scharmers „Leading from the Emerging Future“ Impulse für eine lebenswerte Zukunft setzen. Menschen, Unternehmen, lebendige Systeme sind für uns „Seeds of the Future“ — Hebel, die Wandel prägen. Was trägt dich und dein Unternehmen? Welche Geschichte möchtest du damit erzählen? Was muss bleiben, was darf kommen?

Gemeinsam entwickeln wir starke Bilder, klare Strategien, lebendige Räume und glaubwürdige Geschichten. Wirtschaftlichkeit und Genügsamkeit, Wachstum und Verantwortung, sind für uns Teamplayer. Futures and Roots ist unser Beitrag zu einem Zeitalter, das Leben nährt statt erschöpft.

Wir rennen nicht, wir tanzen. Lokal verwurzelt. Global vernetzt. Naturvernarrt und zukunftsgerichtet. Let’s go! We are rooting for you.

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